Posted 30.07.2010 12:40:21 UTC
Updated 30.07.2010 12:40:21 UTC
La Paz (dpa) - Ein seit 17 Jahren in Bolivien lebender Deutscher steht im Mittelpunkt eines zunehmend bizarren Skandals in dem südamerikanischen Land. Der 49-Jährige ist seit drei Wochen in Haft. Bei ihm war ein Waffenarsenal gefunden worden - dem Mann wird nun bewaffneter Aufstand und Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin vom Freitag wird der 49-Jährige vom Honorarkonsul in Santa Cruz betreut.
Am Donnerstag hatte der Deutsche Boliviens Präsident Evo Morales um Hilfe gebeten. Nach eigenen Angaben war der Mann, dessen Auslieferung Deutschland Mitte der 90er Jahre wegen Betrugs vergeblich beantragt haben soll, informeller Mitarbeiter des Innenministeriums in La Paz.
Diese Angaben wurden von dem früheren Vize-Innenminister Gustavo Torrico weitgehend bestätigt. Er kenne den Deutschen seit 2005, der sein «persönlicher Vertreter» in Santa Cruz gewesen sei, der Region mit dem größten Widerstand gegen den linksgerichteten Morales. Regierungsminister Sacha Llorenti, der den Deutschen zunächst der Lüge bezichtigt hatte, musste sich daraufhin korrigieren.
In Pressekommentaren wurde bereits darüber spekuliert, dass Morales seinen Regierungsminister wegen dieses und anderer Skandale entlassen könnte. Nach Auffassung des Rechtsanwalts des Deutschen wurde sein Mandant Opfer von Machtkämpfen hinter den Kulissen. Der Deutsche habe nie ein Gehalt bezogen und nur aus Sympathie mit Morales den Sicherheitskräften zugearbeitet, sagte der Jurist Otto Ritter.
Unbestätigten Presseberichten zufolge hat der Deutsche der Polizei, die in seinem Haus aus- und eingegangen ist, Informationen geliefert und bei Aktionen der Sicherheitskräfte gegen soziale Proteste mitgewirkt. «Ich würde mir wünschen, dass der Präsident sich in diese Angelegenheit einschaltet. Ich habe ihm nur den Rücken freigehalten, und das nicht nur mit Hilfe des Regierungsministeriums», zitierte die Zeitung «La Prensa» den 49- Jährigen. Einzelheiten über die Art der Dienste des Deutschen für den zeitweise hart von der konservativen Opposition vor allem in Santa Cruz bedrängten Morales wurden nicht bekannt.
In dem Haus des Deutschen in der Nähe von Santa Cruz waren Anfang Juli sieben nicht näher bezeichnete «Kriegswaffen» sowie zwei Pistolen und Munition verschiedenen Kalibers gefunden worden. Torrico bestätigte Angaben des Rechtsanwalts des 49-Jährigen, dass es sich um Jagdwaffen gehandelt habe. Im Falle einer Verurteilung droht dem Deutschen eine langjährige Haftstrafe.